Was niemand so richtig hören will: der Schmerz hat auch mit unserem Gehirn zu tun!

Manchmal machen Schmerzen Sinn. Schmerz warnt uns, wenn mögliche Gefahren drohen. Ähnlich einem Feuermelder. Schmerz ist etwas Gutes, er schützt deinen Körper indem Du dich um das Problem kümmerst. Das Schmerzsystem ist eines von vielen Systemen unsres Körpers… und wie auch unser Verdauungssystem manchmal fehlerhaft arbeitet, kann auch das Schmerzsystem fehlerhaft arbeiten. Manchmal reagiert es mit zu wenig Schmerz. Jedes Jahr werden Kinder ohne Schmerzempfinden geboren. Du denkst das wäre super keinen Schmerz zu spüren? Leider verletzen sich solche Kinder schon in jungen Jahren schwerwiegend, da sie keine Gefahren kennen lernen.

Andererseits kann unser Schmerzsystem auch überreagieren und zu viel Schmerz produzieren. Dann werden oft schon leichte Berührungen und Bewegungen zur Qual.

Wie kommt es aber zu diesem übertriebenen Schmerz?

Dieser tritt auf, wenn die Nerven die den Schmerz weiterleiten zu sensibel sind und sich zu schnell aktivieren. Diese Sensibilität der Nerven ist sogar Messbar, also nicht nur bloße Einbildung. Es macht sogar Sinn, dass der Körper unter Umständen seine Nerven sensibilisiert. So zum Beispiel nach einer Verletzung um das verletzte Gebiet zu schützen. Nach maximal ein paar Wochen sollte das verletzte Gebiet keinen Schutz mehr benötigen und diese schützende Sensibilität sollte verschwindet.

Manchmal kann aber etwas schief gehen und die Hypersensibilität und somit bleiben auch der Schmerz  für längere Zeit oder verbreiten sich sogar über größere Körperregionen aus.

Vergleichen wir den Schmerz nochmal mit dem Feueralarm. Der Feueralarm ist etwas Gutes, denn er warnt dich wenn Feuer ausbricht. Was aber, wenn der Feueralarm hyper-sensibel ist und schon beim Brennen einer Kerze Alarm schlägt? Genauso kann unser hypersensibles Schmerzsystem schon bei der kleinsten Berührung Schmerz melden. Wenn der Feueralarm ausgelöst wird wirst Du vermutlich die Feuerwehr rufen. Sofern ein Brant ist, wird Sie auch das Feuer löschen…Was aber wenn es gar kein Feuer gibt, oder der Feueralarm weiter Alarm schlägt, obwohl das Feuer bereits gelöscht ist?

Sie werden aufgefordert Ihr Alarmsystem zu reparieren. Bei Anhaltenden Schmerzen macht es auch Sinn Ihr Alarmsystem zu reparieren und desensibilisiert.

Was niemand so richtig hören will: der Schmerz hat auch mit unserem Gehirn zu tun!

Lange Zeit vermutete man in der Medizin, dass der Schmerz entweder eine körperliche oder psychische Ursache hat. Ausgegangen ist man immer von einem körperlichen Schmerz. Und dementsprechend wurde man auch behandelt, manchmal ohne Erfolg. Wenn keine körperliche Ursache gefunden werden konnte hieß es immer: „Das ist psychisch, Sie bilden sich das nur ein. Laut den Tests können Sie nicht solche Schmerzen haben.“

Laut des neusten Wissensstands besteht der Schmerz aus zwei Komponenten:

– dem sensorischen Nerven-Signal aus dem Körper
– der komplexen Analyse und Interpretation durch das Gehirn.

Das funktioniert so: Wenn Du dir mit einem Hammer auf den Finger haust senden die sensorischen Nerven ein Warn-Signal zum Gehirn. Dort wird es verarbeitet und anhand der komplexen Analyse entscheidet Dein Gehirn wie stark der Schmerz ausgelöst werden soll. Selbst bei offensichtlichen großen Verletzungen entscheidet das Gehirn wie groß der Schmerz ausfallen soll. Das klingt komisch, ist aber so und wurde auch in verschiedenen Untersuchungen bestätigt.

Bei jeder Verletzung und Krankheit entscheidet das Gehirn, ob es zur Schmerzauslösung kommt. Um Schmerzen optimal behandeln zu können muss man also die Rolle des Gehirns wissen.
Schmerz verhält sich manchmal eigenartig. Ein Biss von einem Baby kann höllisch weh tun, währen eine wirklich schlimme Verletzung zunächst gar nicht so stark schmerzen muss. Das liegt daran, dass das Gehirn in der Lage ist chemische Substanzen auszuschütten um die Schmerzweiterleitung zu beeinflussen. So kann das Gehirn Schmerz- und Alarmsignale unterdrücken. Es würde wahrscheinlich weh tun, wenn Du auf einen Reisnagel trittst… würde man diesen Reisnagel aber auch spüren wenn man gerade von einem Löwen davonläuft?Vor dem lowen fliehen ohne Schweiss

Wahrscheinlich nicht. Das Gehirn ist in diesem Moment auf das überleben fixiert und möchte sich nicht von einem Reißnagel aus der Bahn bringen lassen.  Deshalb aktiviert das Gehirn sein schmerzhemmendes System. Dieses System nennt man –absteigende Hemmung-.

Diese absteigende Hemmung wird aber nicht nur aktiviert wenn Du von einem Löwen angegriffen wirst. Du kannst dieses System selbst aktivieren und somit Beschwerden lindern und übersensible Nerven wieder desensibilisieren.

Das Gehirn hat aber auch die Möglichkeit, Schmerzen zu verstärken, indem es gewisse Stoffe ausschüttet die die Nervenleitfähigkeit erhöht das zu einer vermehrten Schmerzwahrnehmung führt. Dieses System nennt man –absteigende Verstärkung-. Tritt dieses System zu oft auf verändern sich die Nerven und werden sensibler gegenüber Schmerz.

Genau diese –absteigende Verstärkung- sorgt dafür, dass kleine Verletzungen sich extrem schmerzhaft äußern und dass alte bereits geheilte Verletzungen immer noch schmerzhaft sein können.

Manche Leute haben aufgrund Ihrer Genetik ein überaktives Schmerz-Warnsystem. Es gibt aber auch andere Faktoren die die Aktivität dieses Systems erhöhen. So zum Beispiel die Erwartung von Schmerz. In einer Studie wurde den Probanden eine normale Handcreme aufgetragen. In der Hälfte der Probanden sagte man jedoch, dass diese Creme schmerzen wird. Bloß diese Erwartung auf Schmerz reichte aus, dass sich die Aktivität der schmerzweiterleitenden Nerven erhöht hat.

In einem weiteren Experiment wurden Probanden eine Blutdruckmanschette so stark aufgepumpt, dass es Schmerz provozierte. Die Probanden mussten den Schmerz so lange als möglich aushalten. Der Hälfte der Probanden wurde gesagt, dass dies eine neue Methode sei um die Muskeln zu stärken.

Das Resultat war folgendes:  die Personen die dachten, dass dies eine neue Methode ist um Muskeln zu kräftigen hielten die Manschette durchschnittlich 50% länger am Arm als die Kontrollgruppe. Und man konnte in dieser Gruppe auch feststellen, dass das Gehirn schmerzlindernde Stoffe freigesetzt hat.

Lediglich durch die positive Information, dass die Muskeln stärker werden, hat das Gehirn entschieden dass die ankommenden Warnsignale nicht bedrohlich sind und schmerzhemmende Stoffe freigesetzt.

Das Gegenteil kann jedoch auch eintreten. Wenn das Gehirn die Warnmeldungen als echte Bedrohung sieht kann es auch den Schmerz verstärken.

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