Nur mit dem Messer wird es besser???

Die schnelle Operation wird oft einer langwierigen konservativen Behandlung vorgezogen. Und zwar sowohl von Ärzten wie auch von Patienten.
Ein großes Thema ist dabei leider aber verständlich der Finanzielle Aspekt. „Andererseits sind die Patienten oft nicht bereit, die Geduld für eine konservative Therapie aufzubringen. Nach einer Operation sei man schneller auf den Beinen, allerdings werde mit der OP der Verschleiss nicht angegangen“, so Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC).

Das zweite große Thema ist die fehlende Aufklärung.
Wir spielen das ganze mal durch: Sie wollen vom Auto aussteigen und plötzlich schießt es Ihnen in das Kreuz. Voller Schmerzen suchen Sie einen Arzt auf. Dieser zögert nicht lange und ohne größere Anamnese verpasst er Ihnen eine Spritze und verordnet eine Magnetresonanz. Einige Tage später liegt der Befund bereits auf dem Schreibtisch: Bandscheibenvorfall L5-S1. Für einige Wochen werden Ihnen noch weitere Spritzen verpasst und wenn das auch nicht hilft wird über die OP gesprochen. Bis jetzt wurde noch kein Wort über Physiotherapie, Bewegungstherapie oder Ähnlichen gesprochen…

Nun gibt es die Patienten, die nicht lange warten und einer OP zustimmen. Dann gibt es die Patienten, die vor einer OP alles Mögliche noch ausprobieren wollen um Ihre Schmerzen alternativ in den Griff zu bekommen. Genau diese Patienten treffe ich in meiner Physiotherapiepraxis in Bruneck.

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Einer der renommiertesten Wirbelsäulenorthopäden weltweit Dr. Martin Marianowicz aus München behauptet, dass 90% der Bandscheibenvorfälle von alleine folgenlos abheilen.

Natürlich kann man den Patienten mit den Schmerzen nicht alleine lassen. Man muss die Schmerzen in den Griff bekommen und die Heilungskraft des eigenen Körper unterstützen. In der Akuten Phase empfiehlt sich eine Medikamentöse Therapie um den Schmerz in Grenzen zu halten. Des Weiteren ist eine Aufklärung über „Krankheit“ und Entstehungsmuster sinnvoll. Negativen emotionaler Stress und Angst kann man somit verringern. Begleitend soll man mit Manuelle Therapie und Bewegungstherapie die Reintegration in das Leben fördern und unterstützen.

Laut Dr. Martin Marianowicz sind 80% aller Bandscheiben-OPs nutzlos. Etwa 50% der Bandscheiben OPs bringen nicht den gewünschten Erfolg. Zudem zeigen aktuelle Untersuchungen , dass 15 bis 30 Prozent der operierten Patienten nach der Operation an anhaltenden bzw. wiederkehrenden Beschwerden leiden. Es gilt daher grundsätzlich streng abzuwägen, wann eine Operation wirklich sinnvoll erscheint und wann nicht.

 Es gibt aber auch klare Indikationen für eine schnelle Operation. Diese sind fortschreitende neurologische Störungen, wie z.B. eine Schwäche im Bein oder gar Störungen von Blase und/oder Darm. Durch die OP kann hier das Risiko bleibender Schäden minimiert werden. Auch im Falle eines sehr großen Bandscheibenvorfalls, der nahezu den gesamten Nervenkanal verlegt und die Nervenwurzeln stark komprimiert, ist eine frühzeitige Operation sinnvoll und anzuraten. Bei „kleineren“ Bandscheibenvorfälle gilt prinzipiell: wenn nach 6 Monaten konservativer Therapie keine Besserung eingetreten ist wird eine OP empfohlen.

 Eines ist aber sicher: wir sind zu bildergläubig geworden. Es gibt Menschen, die haben Bandscheibenvorfälle, die sie selber gar nicht bemerkt haben, denen geht’s gut. Würde man ein MRT-Bild haben, würden Chirurgen zur OP raten, obwohl die Patienten keine Schmerzen haben. Die gleiche Situation zeigt sich bei Knie- und Hüftproblemen. Das heißt: wir behandeln mehr Bilder als Krankheiten. Eine ähnliche Situation zeigen Knie- und Hüftbeschwerden, wo eine meist überflüssige OP der konservativen Therapie vorgezogen wird.

Nur wenige Patienten denen eine OP empfohlen wird raffen sich auf um eine Zweitmeinung zu holen. Aus meinen Erfahrungen in der Praxis für Sport und Physiotherapie in Bruneck kann ich nur sagen, dass ein Großteil der vermeintlichen OP-Opfer froh gewesen sind in meiner Praxis gewesen zu sein. In manchen Fällen kommt man um eine Operation aber nicht herum.

 Ich helfe auch Ihnen gerne weiter wenn Sie vor der Entscheidung sind sich operieren zu lassen oder nicht. Dabei lege ich großen Wert, dass Sie als Patient im Vordergrund stehen und nicht der eigene Profit.

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