Die verborgenen Kräfte der Körperhaltung

7311994138_3199484b1bWeit verbreitet ist die schlechte Körperhaltung in unserer Gesellschaft. Durch mangelnde Bewegung, einseitige körperliche Belastungen und überwiegend sitzende Tätigkeiten kommt es zu einer Kraftminderung von bestimmten stabilisierenden und schützenden Muskelgruppen wie z.B. die Bauch- und Rückenmuskulatur. Andere Muskeln sind durch ungünstige Bewegungsmuster (z.B. sitzen) verkürzt und unelastisch. Rücken- und Nackenschmerzen sind vorprogrammiert. Doch die Körperhaltung eines Menschen ist von vielen Faktoren abhängig, u.a. von physischen Faktoren, wie dem Zustand des Skelettsystems oder dem Muskeltonus, aber auch von psychischen bzw. emotionalen Einflüssen. Das heißt, deine Körperhaltung wird unter anderem stark durch deinen Gemütszustand beeinflusst. Wer sich schlecht und klein fühlt, wird eine geschlossene, versteifte Körperhaltung einnehmen. Wer sich groß und stark fühlt, wird eine offene, relaxte, starke Körperhaltung einnehmen.

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Wen wundert es dann, dass in den Neueren Studien immer wieder der enge Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und Emotionale Faktoren gefunden worden ist? Der Stress, die Unzufriedenheit, die Angst für die Zukunft…all diese negativen weit verbreiteten Gefühle spiegeln sich in den dementsprechenden Körperhaltungen dar. Nicht umsonst analysieren viele Ärzte die Körperhaltung, um die Depressionen ihrer Patienten zu enttarnen.

 „Gut zu wissen: Man kann nicht weinen und traurig sein, wenn man die Kopfhaltung eines optimistischen Menschen einnimmt.“

Jetzt kannst Du andersherum aber auch deinen Gemütszustand durch deine Körperhaltung beeinflussen. Dein Geist und deine Emotionen sind mit deinem Körper verbunden. Durch das Verändern deiner Körperstellung kannst du deinen Gefühlszustand beeinflussen. Probier es selbst aus:

  • Normale Körperhaltung: Gehe zwei Minuten lang in deinem gewohnten Gang umher. Beobachte bewusst deinen Gang und deine Körperhaltung. Wie sind deine Schultern, dein Hals, dein Kopf? Was machen deine Arme/Hände? Wie trittst du auf dem Boden auf? Wohin geht dein Blick (Boden/gerade aus/Himmel)
  • Schlaffe Körperhaltung: Dann geh mal zwei Minuten wie ein schlaffer Sack mit geknicktem Kopf. Lass die Schultern nach vorne einfallen, Kopf und Hals hängen nach unten. Dein Gang ist tiefer in den Knien. Laufe langsam. Lauf, als ob es die letzten 100 Tage geregnet hätte, ohne Ziel, ohne Motivation, ohne Stärke.
  • Aufrechte Körperhaltung: Dann wechsle von dieser energielosen Körperhaltung in eine extrem aufrechte Haltung. Hals gerade, Kopf nach oben, Blick gerade aus. Brust raus, Schultern nach hinten unten. Laufe fast wie auf Zehenspitzen. Das Kinn ein bisschen höher als normal. Betrachte die Dinge um dich herum, als stündest du auf einem Podest und würdest runterschauen. Denke dir, jemand zieht dich ein bisschen an den Haaren nach oben. Gerader, aufrechter Rücken, aber kein Hohlkreuz. Denk dir ein drittes Auge auf deine Brust, das nach oben schauen will. Lauf so zwei Minuten durch die Gegend und stell dir vor, du bist Kaiser Frederik der achtundfünfzigste und begutachtest die Welt um dich herum.

Geh nicht nur von einer Körperhaltung in die andere über. Bleib ein paar Minuten in der jeweiligen Körperhaltung und beobachte was mit deinem Körper und deinem Gemütszustand passiert.

Schon der legendäre Samurai Miyamoto Musashi wusste, dass die Körperhaltung genauso gepflegt werden müsse wie alles andere am Körper. Denn mit der richtigen Körperhaltung, so sein Argument, beeindrucke man nicht nur die anderen Menschen, sondern auch sich selbst. Seitdem ist fast ein halbes Jahrtausend vergangen. Und die Erkenntnisse des alten Ritters werden jetzt auch von modernen Wissenschaftlern bestätigt. Das vor Kraft strotzende, mit sich selbst zufriedene Gehirn setzt mit unterschiedlichen Hormonkaskaden genau jene Muskeln unter Spannung, die den Körper straffen und groß wirken lassen. Die Rezeptoren in Muskeln und Sehnen informieren das Gehirn über die aktuellen Spannungszustände. Hinzu kommen der Gleichgewichtssinn im Innenohr und natürlich auch so dominante Sinne wie etwa die Augen. All diese Informationen werden vor allem in den unbewussten Arealen des Gehirns verarbeitet und mit entsprechenden nervösen und hormonellen Signalen beantwortet. Sozialpsychologin Dana Carney von der Columbia University in New York ermittelte, dass expansive Körperhaltungen den Testosteronspiegel ansteigen, dafür aber den Cortisolspiegel im Organismus sinken lassen.

Die aufrechte Körperhaltung fördert also nicht nur Mut, Willenskraft und Führungsqualität sondern auch die Leistungsfähigkeit des Immunsystems, denn Cortisol ist bekannt dafür, die Widerstandfähigkeit gegenüber Infekten zu schwächen. Was im Umkehrschluss bedeutet: Wer überwiegend mit defensiv-gebeugter Körperhaltung durchs Leben geht, verliert nicht nur psychisch, sondern auch immuntechnisch an Power – und sollte sich nicht darüber wundern, dass er in der nasskalten Jahreszeit öfter und länger als andere mit Erkältungen zu kämpfen hat.
Damit aber nicht genug. Weitere Studien zeigten, dass eine aufrechte Körperhaltung die Attraktivität, Ausstrahlung und das Selbstbewusstsein verbessern.

rolfingGründe genug, an der eigenen Körperhaltung zu arbeiten. Ein gutes Vorbild sind  Wasserträgerinnen in Afrika, die sich zwangsläufig aufrecht halten müssen. Da aber der durchschnittliche Mitteleuropäer seltener Wasser durch die Gegend trägt als er am Schreibtisch sitzt, hier eine kurze Anleitung für eine bessere Körperhaltung:

„Was war zuerst da, die schlechte Körperhaltung die immer mehr Menschen psychisch total auslaugen oder die „depressiven“ Emotionen die die Körperhaltung in ein unausgeglichenes Gestell verwandeln? Egal, gehen wir einfach Beides an!“

Der erste Schritt auf dem Weg zu einer gesunden, ausdrucksstarken Haltung ist das Bewusstsein dafür. Stelle Dich mit einer bewusst schlaffen Haltung in Seitenansicht vor den Spiegel. Speichere Dir diesen Anblick im Kopf und richte Dich dann auf. Dabei sollte man die alte Ballett-Regel befolgen und sich vorstellen, der Kopf werde von einem unsichtbaren Faden am Hinterkopf nach oben gezogen. Damit aber nicht genug. Der erste Schritt ist zwar das Bewusstsein, dies ersetzt aber nicht die körperliche Arbeit. Zur Erklärung: Die Muskeln und Muskelgruppen, die eine Haltefunktion ausüben sind besonders anfällig für muskuläre Dysbalance. Dazu zählen u.a. Teile der Rückenmuskulatur, die Brustmuskulatur und die Bizeps. Sie neigen zur Verkürzung. Muskeln, die für Bewegungsabläufe benötigt werden, sind durch sitzende Tätigkeiten und mangelnde Bewegung häufig geschwächt. Betroffen sind hier die Gesäßmuskulatur, die Bauchmuskulatur und die Nackenmuskulatur.

Ein gezieltes Training beugt muskulären Ungleichgewichten vor, erhöht die Belastungsfähigkeit und fördert so die aufrechte Körperhaltung mit all seinen Vorteilen. Das optimale Training besteht aus Mobilisierungsübungen, gefolgt von einem Training für die Rücken, Brust- und Bauchmuskulatur und abschließenden Dehnungs- und Entspannungsübungen. Idealerweise sollte es individuell an den jeweiligen Menschen angepasst werden.

 

 

Quellen der Bilder:
http://www.triathlon.de/tri-wissen-rolfing-%E2%80%93-richtet-den-korper-auf-1477.html
http://f3.webmart.de/f.cfm?id=3232477&r=threadview&t=3982644&pg=1
http://www.selbstbewusstsein-staerken.net/koerperhaltung/

 

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